ENTDECKERTOUR

Wanderung von Röhrenfurth nach Melsungen

Meine erste Entdeckertour führte mich in die Bartenwetzerstadt Melsungen. Ich war zwar schon öfter in Melsungen, aber ich wollte die Stadt an der Fulda einmal aus touristischer Perspektive sehen und das Umland kenne ich noch nicht so gut. Also entschloss ich mich zu einer Wanderung von Röhrenfurth, einem Ortsteil von Melsungen, am Tierpark “Rose” vorbei nach Melsungen. 

Röhrenfurth

Nicht einmal 30 Minuten braucht die RegioTram vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe nach Röhrenfurth. Da steh’ ich nun auf dem Bahnsteig und es fängt an zu regnen. Na toll, der Start ist ja großartig, doch das kleine Örtchen lässt mich den Regen bald vergessen. Es überrascht mich mit einigen schön restaurierten Fachwerkhäusern und hübschen Gärten. Röhrenfurth ist ein mittelalterliches Adelsdorf, welches eine wichtige Fulda-Querung der Nürnberger Landstraße, einer alten Handelsstraße, zu sichern hatte. Der Ort zieht sich von der Fulda den Hang hinauf. Am oberen nordöstlichen Ende des Ortes geht die Straße in einen schmalen Pfad über. Ein Zwetschgenbaum kam mir gerade recht, denn ich hatte langsam Hunger. Seine Äste ragen so weit über den Weg, dass ich mich einfach bedienen musste. Zwischen den Eichen, die den Pfad auf der Talseite säumen, sieht man die ICE-Brücke, auf der ab und an ein Zug fährt. 

Tierpark “Rose”

Viel zu schnell mündet der Pfad auf einen Asphaltweg, der die ICE-Brücke unterquert. Ich folge nun dem Wegezeichen R3, einem Rundweg bei Röhrenfurth, durch das idyllische Tal des Breitenbachs bis zum Tierpark “Rose”. Die Gaststätte hat geöffnet und ich bekomme einen Apfelkuchen und einen Kaffee dazu. Einen Besuch des Tierparks lasse ich aus, da ich noch eine ordentliche Strecke vor mir habe und noch durch Melsungen bummeln möchte. 

Nun folge ich dem Bartenwetzer Rundwanderweg B6 durch den Hospitalsgrund Richtung Heiligenberg. Dies ist nicht der in Nordhessen bekannte Heiligenberg mit der Burgruine, der liegt bei Gensungen, einem weiteren Ort im Melsunger Land. Die Forstwege sind etwas langweilig und so verpasse ich eine kleine weitere Schleife, um am Zwickel, der Kreuzung von Schusterpfad und Sälzerweg, vorbei zu kommen. Dafür habe ich eine fantastische Aussicht über eine ehemals von Fichten bestandene Fläche in Richtung Edermünde und in der Ferne sind die runden Kuppen vulkanischen Ursprungs zu sehen, an denen die Autobahn A7 vorbei führt. 

Sälzerweg

Noch ein letzter strammer Anstieg und ich stehe auf dem Sälzerweg. Der Sälzerweg ist ein Wanderweg auf der Route einer alten Handelsstraße, auf der das “weiße Gold” von Bad Sooden-Allendorf nach Melsungen und weiter auf der “Langen Hessen” und der Nürnberger Landstraße über Frankfurt nach Darmstadt und in den Westen transportiert wurde. Nun geht es nur noch bergab, stets begleitet vom “S” des Sälzerwegs. An einer großen Wegkreuzung mitten im Wald entdecke ich einen Holzzaun, keinen Wildschutzzaun, sondern eher eine Absperrung. Ein Schild informiert, dass die umgefallene Kroneneiche als Lebensraum für Todholz-Bewohner liegen bleibt. Daneben ist bereits eine neue Eiche gepflanzt. Die Kroneneiche markierte vermutlich einen wichtigen Wegpunkt am Sälzerweg und war bei den Einwohnern der Orte Schwarzenberg, Kirchhof und Melsungen sehr beliebt. Mit zunehmendem Alter verlor die Eiche mehr Äste und war nicht mehr zu sichern. Im Januar diesen Jahres ist das Wahrzeichen dann endgültig zusammengebrochen. Weiter geht’s auf dem Sälzerweg, der parallel mit dem Bartenwetzer Rundwanderweg B6 verläuft in Richtung Melsungen. 

Stempel-Hütten um Melsungen

Kurz vor dem Ortseingang von Melsungen mache ich noch einen Abstecher zur Konrad-Hoffmann-Hütte, um einen Stempel einzusammeln. Rund um Melsungen befinden sich neun Schutzhütten mit Stempelboxen. Wer auf einer Stempelkarte sechs verschiedene Stempel einsammelt, erhält in der Tourist-Information einen Wanderpin. Diese Aktion soll raus in die Natur locken und zum Wandern motivieren. Mehr Informationen dazu gibt’s in der Touristinfo oder auf der Website der Tourismusregion Melsunger Land.

Nach einer kurzen Rast mit Aussicht auf Melsungen geht’s weiter. Über den letzten Acker, der von einem Neubaugebiet umgeben ist, bietet sich noch einmal eine fantastische Aussicht bis nach Kassel. Von hier kann man den Fernsehturm auf dem Essigberg und den Herkules sehen. Schließlich komme ich nach rund zehn Kilometern an der Bartenwetzer Brücke an. Hier ist eine Haltestelle der RegioTram, die zurück nach Kassel fährt. Ich habe jedoch anderes im Sinn und gehe weiter.

Melsungen

Melsungen ist von den Kriegen weitgehend verschont geblieben und so zeigt sich hier noch die Entwicklung der Fachwerkhäuser vom 16. Jh. bis in die Anfänge des 19. Jh. Dies ist auch der Grund, weshalb Melsungen Teil der Deutschen Fachwerkstraße ist. Auch die Deutsche Märchenstraße führt durch Melsungen und wer lieber auf zwei Rädern unterwegs ist, der kann auf dem Fulda-Radweg R1 von Gersfeld nach Bad Karlshafen radeln und in Melsungen einen romantischen Zwischenstopp z. B. auf dem Campingplatz einlegen. 

Bartenwetzer Brücke

Der schönste Weg, in den alten Ortskern von Melsungen zu gelangen, ist über die Bartenwetzer Brücke. Hier haben früher die Forstleute ihre Barten (Äxte) an der Sandsteinbrüstung gewetzt (geschliffen), bevor sie in den Stadtwald zum Holzschlagen gezogen sind. Auf der Bartenwetzer Brücke steht ein Stadtmodell des Ortskerns, auf dem man sich eine erste Orientierung verschaffen kann. Mein erstes Ziel ist die Touristinformation am Marktplatz. Hier bekommt man einen Stadtplan und zahlreiche Flyer zu Wanderwegen im Umland und zu verschiedenen Veranstaltungen und anderen Aktivitäten. Für eine Stadtführung bin ich leider zu spät. Zwischen Mai und Oktober startet dienstags und sonntags um 14 Uhr und samstags um 11 Uhr eine Führung für Jedermann und -frau. So bummel ich eigenständig durch den Ortskern.

Landgrafenschloss

Die Ursprünge des Landgrafenschlosses reichen bis in das Mittelalter zurück, als Melsungen noch zur Landgrafschaft Thüringen gehörte. Landgraf Wilhelm IV. ließ das Jagdschloss für seinen Vater Landgraf Philipp der Großmütige in den 1550er Jahren errichten. Die angrenzende Burgruine wurde gänzlich abgebrochen, um 1577 den Marstall zu errichten. Vor der preußischen Annexion 1866 war das Schloss Sitz der kurfürstlich-hessischen Forstakademie. Danach wurde es Verwaltungsgebäude und ist heute Sitz des Finanzamtes. Im Schlossgarten finden im Sommer Konzerte statt.

Stadtkirche St. Maria

Die dreischiffige Hallenkirche ist das älteste erhaltene Bauwerk in Melsungen. Da für ein Konzert des Kultursommers Nordhessen geprobt wurde, habe ich mich nicht hinein getraut.

Eulenturm

Der Eulenturm ist noch ein Teil der alten Stadtbefestigung, die im Übrigen geschliffen wurde. Der Turm stammt aus der Zeit um 1387 und diente im 16. und 17. Jh. als Gefängnis.

Zwei-Pfennig-Brücke

Um vom Bahnhof schneller in die Stadt zu gelangen, wurde 1890 die eiserne Fußgängerbrücke von einer Genossenschaft über die Fulda errichtet. Um das Geld wieder reinzubekommen, wurden von jedem Fußgänger zwei Pfennig kassiert. Direkt neben der Brücke befindet sich ein Tretbootverleih.

Rathaus

Zu guter Letzt statte ich dem Rathaus noch einmal einen Besuch ab. Es wurde in den 1560er Jahren in Fachwerkbauweise mit vier Ecktürmen und einem Dachreiter errichtet. Es ist 18 Uhr und so gilt dem Dachreiter meine besondere Aufmerksamkeit. Langsam geht eine zweiflügelige Tür auf und heraus tritt der Bartenwetzer. Einen kurzen Moment petzt er seine Axt und zieht sich dann wieder zurück. Ein Schauspiel, das sich einige Touristen ansehen.

So geht mein Ausflug langsam zu Ende. Eine angenehme Abendstimmung begleitet mich zur Haltestelle an der Bartenwetzer Brücke und ich fahre wieder zurück in die Großstadt.